Meine Garten-Entdeckungen 2018: 1.) Eberraute = Colakraut

1.) Eberraute = Colakraut

Zu meinen Entdeckungen 2018 gehört u.a. die Eberraute, die im Handel verkaufswirksam als Cola-Kraut angeboten wird. Eberraute zählt zu den Gewürz- und Heilkräutern, die über die Jahre etwas in Vergessenheit geraten sind. Dabei ist Eberraute hervorragend zum Würzen von deftigen Fleischgerichten geeignet. In der Naturheilkunde werden gelegentlich die verdauungsfördernden Eigenschaften der Pflanze gebraucht.

Merkmale

Die Eberraute (Artemisia abrotanum) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae), zur Gattung der Artemisien (Artemisia). Zu dieser Gattung gehören u.a. bekannte Kräuter wie der gemeine Beifuß (Artemisia vulgaris), der Estragon (Artemisia dranunculus) oder der Wermut Wermut (Artemisia absinthum).
Die Eberraute ist eine winterharte, ausdauernde und mehrjährige Pflanze. Sie wächst meist als Halbstrauch und kann Wuchshöhen zwischen 60 und 150 cm erreichen. Sie verströmt aufgrund der enthaltenden ätherischen Öle einen stark aromatischen und angenehmen Geruch.
Die Pflanze bildet gefiederte, graugrüne und leicht geschlitzte Blätter aus, die an der Blattunterseite auffallend behaart sind. Die Blätter der Eberraute sind wechselständig angelegt. Die Sprossachse (Stängel) kann je nach Standort und Wuchsbedingungen verholzen und ist meist leicht behaart. 181011_Eberraute_Detail_web

Anbau

Zur Blütezeit, die zwischen Mitte Juli und Ende September stattfindet, bildet die Eberraute weiße bis gelbe zahlreiche kleine bis zu 5mm große Blüten aus, die in ährenartigen Trauben angeordnet sind. Wegen der meist relativ kalten Sommer in Deutschland und in ganz Nord- und Mitteleuropa bleibt die Blüte meist aus.
Eberrauten gedeihen am besten an warmen Plätzen mit voller Sonne. Die Erde bzw. der Boden sollte locker, leicht kalkig und durchlässig sein, so dass Staunässe vermieden wird.

Hinsichtlich der Pflege sind Eberrauten sehr anspruchslos; lediglich im Frühjahr werden etwas Hornspäne oder Kompost in den Boden eingearbeitet, kalkarme Böden werden mit Gartenkalk angereichert. Es empfielt sich sparsam zu Bewässern.
Ein Rückschnitt im Frühjahr wird empfohlen, damit die Pflanze nicht aus der Form gerät. Die Pflanze neigt zum voluminösen Wuchern, daher sollte der Pflanzabstand etwa einem halben Meter betragen. Benachbarte Pflanzen profitieren davon, dass die duftenden ätherischen Öle unerwünschte Fraßschädlinge fernhalten.

Aussaat

Eberrauten zählen zu den Lichtkeimern. Bei der Aufzucht von Eberraute aus Samen werden die Samen nur lose auf die Erde gestreut und vorsichtig angedrückt, ohne mit Erde bedeckt zu werden.

Vermehrung durch Stecklinge

Für die Vermehrung über Stecklinge wird einfach ein langer Trieb mit Blattspitzen abgeschnitten und in die Erde gesteckt. Bereits kurze Zeit später bilden sich erste Wurzelansätze.

Verwendung und Heilwirkung

Eberraute hat Tradition in der Bekämpfung bzw. Vorbeugung gegen Motten. Hierzu wird das getrocknete Kraut, wie auch von Lavendel bekannt, in Baumwoll- oder Organzasäckchen in den Kleiderschrank gehängt. Der intensive Duft der ätherischen Öle der Eberraute vertreibt die stofffressenden Schad-Insekten.

In der Küche

Eberraute findet insbesondere Verwendung in der Würzung von fettigen Gerichten, allen voran Gans und Ente. Bei der Dosierung ist allerdings Vorsicht geboten, denn schon geringe Mengen der Würzpflanze Eberraute genügen, um das Essen kräftig zu aromatisieren und ihm einen würzigen und leicht bitteren Geschmack zu verleihen. Verwendet wird Eberraute sowohl getrocknet wie auch in Form der frischen Blätter. Da das Aroma der Eberraute beim Trocknen nicht verloren geht, kann man die Pflanze zur Bevorratung trocknen, aber auch einfrieren.

Als Heilkraut

Im Mittelalter war Eberraute, die dort meistens als Stabwurz bezeichnet wurde, ein sehr beliebtes Heilkraut. Man sprach der Eberraute nicht nur eine aphrodisierende und belebende Wirkung zu, Eberraute wurde auch genommen, um Haarausfall zu beheben oder Darmparasiten wie Würmer zu vertreiben.

Eberraute hat teilweise gute antibakterielle Eigenschaften.

Das Kraut hat darüber hinaus antientzündliche, entkrampfende und antiödematöse Eigenschaften. Hierfür sind vor allem die in der Eberraute enthaltenden Flavonoide (Quercetin und Rutin) verantwortlich.

Von medizinischer Bedeutung unter den Inhaltsstoffen der Eberraute sind vor allem die Gerb- und Bitterstoffe. Diese regen die Produktion von Verdauungssäften in Magen, Galle und Leber an und sorgen für eine gute Verdauung, unterstützen den Appetit und verschaffen Linderung bei Magenproblemen und -krämpfen.
Zu diesem Zweck wird Eberraute entweder als Würzkraut gegessen oder als Tee getrunken, wobei in der Zubereitung der Ziehzeit abhängig davon ist, ob frische oder getrocknete Blätter verwendet werden. Für die Dosierung einer Tasse Eberrautentee werden 250 bis 300 ml kochendes Wasser benötigt und ein Teelöffel vom Kraut, das in der getrockneten Form zugedeckt 5 min ziehen gelassen wird und wenn frische Blätter verwendet werden, sollte die Ziehzeit 10 min nicht überschreite.

Die entkrampfende Wirkung der Eberraute kommt auch Frauen während der Menstruation zugute. Schwangere sollten deshalb vom Gebrauch der Eberraute absehen, um vorzeitige Wehen zu vermeiden. Daneben fördert Eberraute den Nieren- und Blasenaktivität, wirkt beruhigend, ist antibakteriell und unterstützt den Schweißfluss – Eigenschaften, weshalb Eberraute auch bei Schlafproblemen und fiebrigen Erkältungen und Husten.
Für die Verwendung von Umschlägen mit Eberrauten werden ebenfalls Teeaufgüsse verwendet.

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Steckbrief

Artemisia abrotanum, Pflanzenfamilie : Korbblütler
auch Colastrauch, Colakraut, Stabwurz, Pastorenkraut, Eberreis genannt.
Aussaatzeit / Pflanzzeit: April – Mai
Blütezeit: Juli-September
Erntezeit: Juli-Oktober
Standort: vollsonnig bis sonnige; lockere, humose und kalkhaltige Böden
Verwendung als Heilkraut: Magenbeschwerden, Gallenleiden, Leberbeschwerden, Malaria (unterstützend), Menstruation, Blasenschwäche, Erkältung, Husten
Verwendung als Gewürzkraut: Wildgerichte, Fleisch, Erfrischungsgetränke
Bekämpfung bzw. Vorbeugung gegen Motten.

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all-time favourite: Orangentagetes – Tagetes tenuifolia ‚Orange Gem‘

Hier mein Garten-allround-Blühfavorit: Die Orangentagetes
Anders als ihre große Schwester Tagetes, die bei uns wegen ihrer Anspruchslosigkeit als penetrant riechende Dauerblüher in Vorgärten gesetzt wird, bezaubert die Orangentagetes mit orangenen Blütenkissen und einem feinen Duft.
Die zierlichen Blüten verströmen ein köstliches Orangenaroma im Garten und auf der Terrasse. Im Vorbeigehen streife ich gerne mit den Handflächen über das Blütenkissen, um den frischen Orangengeruch zumindest für eine Weile bei mir zu tragen.
Nicht nur im Garten ist die Orangentagetes ein Star. In der Küche sind ihre Blüten und Blätter kulinarisch vielseitig einsetzbar:
Das Aroma nach Orangenschale passt überall, wo man auch Orangenschale einsetzen könnte; zu süßen, als auch auch zu würzigen Speisen.
Sowohl zu süßem Dessert wie Milchreis, zum Cocktail als auch zu gedünsteten Fisch, in Salaten, auf Eis, Suppen oder als essbare Deko auf Nachtisch, Kuchen und Torten.
Ich habe die Blüten als Würze und Deko auch schon Marmeladen beigefügt.
Geht auch: Aufgesetzter aus Wodka + Orangentagetesblüten.

Die Blüten sind deutlich herber im Geschmack als die Blätter. Ganz jung sind sie am leckersten. Man streut sie einfach über das fertige Gericht.
Plus, die Blüten trockne ich, um sie auch im Winter als erfrischenden Tee aufzugiessen.
Die Heimat der Orangentagetes ist Südamerika.


Aussaat
Die Aussaat erfolgt im März in Schalen, die man auf der Fensterbank bei ca. 20°C hält. Die Schalen mit einer Frischhaltefolie bedecken oder ein Mini-Gewächshaus benutzen.
Innerhalb von 20 Tagen keimen die Pflänzchen und können nach weiteren 14 Tagen pikiert werden. Bei frostfreien Temperaturen pflanzt man die Orangentagetes ins Freie.

Anbau und Standort
Orangentagetes lieben einen sonnigen Platz, gerne in mageren, sandigen Böden, wo auch ab und zu mal ein Lüftchen weht. Sie nehmen gelegentliche Trockenheit nicht übel und erholen sich rasch wieder. Die Pflanzen werden etwa 30 cm hoch. Die Blütenfarbe ist ein warmes Orange.

Ab Juli blühen die Pflanzen unermüdlich bis zum Frost.
Orangentagetes ist bei uns – leider – nicht winterhart. Allerdings bildet sie während der Blühperiode viele Samenkapseln aus, die sich leicht, nachdem sie an der Pflanze durchgetrocknet sind, absammeln lassen. Selbstverständlich können sie auch an Ort und Stelle abfallen und sich selbst aussäen.

Verführerisch wie einst im Garten Eden: Äpfel #2

Stövener Apfelkuchen #2

    750g Äpfel, geschält, entkernt und in Spalten geschnitten
    je 50g Honig und Rosinen
    1 EL Butter oder Margerine
    500g Weizen- oder Dinkelvollkornmehl
    1 Päckchen Backpulver (ich nehme Weinstein)
    1 Ei
    100g Vollrohrzucker (weisser Zucker ist ok)
    9 EL Milch
    200g Butter oder Margerine
    1 Prise Salz
    Fett für das Blech
    Mehl für die Arbeitsfläche

    Äpfel Honig und Rosinen mit wenig Wasser und der Butter/Margerine andünsten. Mehl und Backpulver mischen.
    Ei trennen und die Hälfte des Eigelbs beiseite stellen.
    Mehl, restliches Ei, Zucker, 7 EL Milch, Butter/Margerine und Salz zu einem glatten Teig verkneten.
    Den Teig halbieren:
    eine Hälfte auf einem gefetteten Backblech ausrollen und mit der erkalteten Füllung bestreichen.
    Den restlichen Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche ausrollen und als Decke auf die Füllung legen.
    Restliche Milch und ein halbes Eigelb verquirlen und die Teigdecke damit bestreichen.
    Bei 180 – 200°C etwa 30 min backen.

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Verführerisch wie einst im Garten Eden: Äpfel #1

Frühapfel und Herbstapfel – Rezepte

Bereits ab Mitte Juli ist der Klarapfel reif. Der Frühapfelbaum hat wie jedes Jahr zuvor reichlich getragen. Frühäpfel können nicht gelagert werden, vielmehr vergammeln sie schon nach Tagen. Schnelle Verarbeitung ist angesagt. Im September/Oktober ist dann der Herbstapfelbaum dran. Damit die alljährliche Verarbeitungsroutine nicht allzu langweilig wird, – und auch der leckerste Apfel kommt einem zu den Ohren wieder raus, wenn es jeden Tag Apfelkuchen gibt -, versuche ich jedes Jahr „neue“, meist alte, Rezepte zur Verarbeitung und Haltbarmachung.  Nach und nach probiere ich mich durch verschiedene Zubereitungen: Koch- und Backrezepte.
Apfelviertel/- spalten einfach nur einkochen geht übrigens auch, diese sind lecker zum Müsli oder Dessert.

Hier folgen Rezepte für Apfel im Schlafrock #1, Stövener Apfelkuchen #2, Apfelplinsen #3 und Karamellisiertes Apfelkompott #4. Alle bereits gekostet und für köstlich befunden…

Apfel im Schlafrock #1

  • 4 mittelgrosse Äpfel
  • 150g Weizenvollkornmehl
  • 1 TL Backpulver
  • 30g Zucker (Vollrohrzucker)
  • 70g Butter oder Magerine
  • 1 Ei
  • 2 EL Semmelbrösel
  • 2 EL Marmelade oder Rosinen

Äpfel schälen und Kerngehäuse ausstechen. In wenig (Zucker-) Wasser etwa 10 Min garen. Mehl, Backpulver, Zucker, Butter oder Margerine und Ei zu einem Teig verkneten. Den Teig dünn ausrollen und in vier gleich große Quadrate teilen. In die Mitte der Vierecke etwas Semmelbrösel streuen und jeweil einen Apfel aufsetzen. Die Höhlung der Äpfel mit Marmelade oder Rosinen füllen. Die vier Ecken des Teigstücks oben zusammenführen, die Ränder zusammendrücken, obenauf einen flachen Teigknopf setzen. Bei 180 – 200°C etwa 15 – 20 Minuten backen.
Mit viel warmer Vanillesauce servieren.

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Erntezeit ist Einmachzeit

Wegen des durchgehend warmen und trockenen Sommers sind die Früchte der Obstbäume früher Reif. Seit Juli, mit der Ernte der Frühäpfel, stehe ich nonstop in der Küche, um die wertvolle Ernte haltbar zu machen. Um die ganze Aktion für mich interessanter zu machen, experimentiere ich mit kleinen Variationen.

Dem Fruchtsaft (Dampfentsafter) fügte ich Kräuter hinzu und fertigte daraus Gelee. So erhielt ich wirklich köstliches Pflaumen-Apfel-Holundergelee mit Rosmarin und, sehr lecker !, Apfelgelee mit Orangentagetes. Immer wieder gelobt wird bereits mein Apfelgelee oder -kompott mit Pfefferminze.

Tomatensamen sammeln

Hmmm, Tomaten habe ich in diesem Jahr in verschiedenen Formen, Größen und Farben. Meine Tomaten-Favoritin 2018 ist Green Zebra, eine alte Tomatensorte mit grün-gelb geflammten, sehr aromatischen Früchten.

Wer Saatgut aus Tomaten – oder anderen Gemüsesorten – gewinnen möchte, muss darauf achten, dass sie samenfest sind. Aus der Saat samenfester Sorten wachsen Tomaten mit denselben Eigenschaften wie die der Mutterpflanze.

Hinweis: Die gallertartigen Masse, die die Samen umgibt, sorgt dafür, dass die Samen nicht bereits in der Frucht keimen.

Ich habe beim Aufschneiden der Tomaten einige Samen mit der Messerspitze (Löffel geht auch) herausgepult, in einem Glas gesammelt und dann Wasser drauf gegossen. Innerhalb von zwei bis vier Tagen lösen sich die Samen von der gallertartigen Masse und sinken zu Boden. Die Samen nun in einem Sieb unter laufendem Wasser von den möglichen Resten der Masse befreien und zum Trocknen etwa zwei bis drei Wochen auf Papier, beispielsweise eine Zeitung, legen.

Übrigens: Beim Sammeln von eigenem Saatgut soll auch die Erntezeit eine Rolle spielen: die Samen früh erntereifer Früchte sollen im kommenden Jahr auch frühe Ernte versprechen.

Erntezeit ist Saatgutzeit

Für mich gehört zur Ernte auch das Sammeln von Saatgut. So habe ich bereits Sämereien für die nächste Saison von Pflanzen und Gemüse, das sich bewährt hat. Bei manchen Samen ist es auch spannend, was daraus wachsen wird. Im letzten Jahr wuchsen aus den Chilikörnern, die ich von einem Freund bekam, der unterschiedliche Sorten züchtete, Mischlinge. Diese Pflanzen trugen mannigfaltige Früchte mit den Merkmalen verschiedener Sorten. Witzig!
Das ist mir beispielsweise mit Ringelblumen nie passiert.

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Ringelblumensamen

Orangentagetes blieb bisher auch Orangentagetes. Bei den Farben der Bauern-/Stockrose bleibt es spannend.
Doch, wohin mit all den teils winzigen Körnern?
Nachdem ich alle gesammelten Mini-Plastiktütchen gefüllt habe, weiche ich nun auf kleine Umschläge aus, die sich leicht aus sämtlichen Papieren selber falten lassen. Dazu brauche ich nur ein quadratisches Stück. Ich habe Brotpapier gewählt:

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Quadratisches Stück Papier zu einem Dreieck falten.

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Ecken nach innen knicken
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…und ineinander schieben
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Obere Ecke nach unten falten. Fertig ist der Umschlag.

Zum Schliessen des Umschlages nehme ich ein beschriftetes Etikett.

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Selbstgemachter Hustensaft: Thymianlikör

Zur Linderung von Erkältungsbeschwerden setze ich eigenen Thymianlikör an.

Dafür nehme ich ein Bündel Thymian. Der wächst im Kräuterbeet.
0,7 L Korn, Rum, Wodka (nach Wahl)
300 g Honig

Den frischen Thymian 3 – 4 Wochen in den Alkohol einlegen, dann abfiltern.
Jetzt hat die Flüssigkeit eine dunkelgrüne Färbung. Das Kraut wieder in das Glas und mit 200 ml Wasser spülen. Dieses Thymianwasser auf ca. 40 – 50°C erwärmen und ca. 300g Honig darin auflösen und zum Auszug hinzufügen. – Fertig –
Danke Jens!

Aufgesetzter: selbstgemachter Likör

Zur Erntezeit stehe ich wochenlang jeden Tag in der Küche, um die geernteten Gartenfrüchte haltbar zu machen. Durch einen Tipp von Bekannten, für den ich echt dankbar bin, kam ich zur Herstellung meiner eigenen Liköre. Das geht relativ schnell und ist einfach. Ausserdem kann der Kreativität freien Lauf gelassen werden. Diese Eigenkreationen lassen sich als DIY-Geschenk (Weihnachten winkt) in hübsche kleine Flaschen abfüllen.

Die Liköre, die zuhause ohne viel Aufwand und mit wenigen Zutaten gelingen, nennt man „Aufgesetzte“. Dafür werden nur Früchte und Zucker mit Alkohol übergossen, also „aufgesetzt“. Es braucht dann nur ein wenig Geduld bis der fertige Likör getrunken werden kann. Gewürze können zur Geschmacksverfeinerung zugegeben werden. Zu Beginn werden die Flaschen alle paar Tage geschüttelt, um den Extraktionsprozess zu beschleunigen. Der Alkohol im Branntwein löst Aromastoffe aus den Früchten oder Kräutern und ergibt einen alkoholischen Auszug.

Grundrezept
500 g Früchte
250 g Zucker (Kristall-, Kandis- oder Einmachzucker)
0,75 L Alkohol (Doppelkorn, Rum, Wodka, Weinbrand, Gin, Whiskey)*

Die Früchte werden gründlich gewaschen, getrocknet. Rispen, Stiele, Kerne, Steine entfernen. Früchte klein schneiden und mit Zucker und gegebenenfalls Gewürzen (z.B. Zimt, Nelke, Vanille, Ingwer, Chili, Kräuter oder Kaffeebohnen…) in einen Behälter/eine Flasche geben. Früchte, die nicht in rohem Zustand gegessen werden können, wie z.B. Quitte oder Fliederbeere, vorher mit dem Zucker zusammen in einem Topf aufkochen.

Die Flasche/der Behälter wird mit Alkohol aufgefüllt und gut verschlossen.
An einem dunklen, kühlen Ort ziehen lassen. Die Ruhezeit kann je nach Fruchtsorte variieren: weiche Beeren ca. 3-4 Wochen ruhen lassen, Kernobst 4-6 und Steinobst bis zu 8 Wochen.
Generell gilt: je länger der Extraktionsprozess, um so intensiver der Geschmack. Im letzten Jahr habe ich Lakritztagetes aufgesetzt. Die Stängel habe ich erst jetzt, nach einem Jahr, entfernt und herausgekommen ist ein sehr köstlicher Lakritzlikör.

Den Behälter innerhalb der ersten zwei Tage umrühren oder schütteln.

Nach der Ruhezeit den aufgesetzten Likör durch ein Sieb abgiessen, um die festen Bestandteile herauszufiltern. Um einen möglichst klaren Likör zu bekommen, den Aufgesetzten durch ein feines Tuch oder einen Kaffeefilter abzuseihen.

Den selbstkreiierten Likör nun in kleine Flaschen abfüllen und mit einem Etikett versehen.

Der Aufgesetzte ist aufgrund seines Alkoholgehalts mehrere Jahre haltbar, genießbar. Liköre schmecken pur oder als Beigabe zum Dessert wie Eiscreme, Pudding oder Kuchen.

*
Faustregel:
Korn für alle Beerenfrüchte
Rum für Zwetschgen und Pflaumen
Weinbrand für Quitten und Mirabellen
Wodka für Zitrusfrüchte
Whiskey für Äpfel und Birnen

 

Einfach und seeehr lecker: Zwetschgen-Wähe!

Wähe ist ein schweizerisches Wort und bedeutet soviel wie gefüllter Kuchen. Ursprünglich wurden Wähen – egal ob sie mit Früchten, Käse oder Gemüse belegt wurden – nicht zum Kaffee, sondern ähnlich einer Pizza oder eines Flammkuchen als Hauptgericht serviert.
Wähen bestehen immer aus einem Mürbeteig, viel Füllung und einem sahnigen Guss.

Zutaten

Für den Teig:
80g Butter
80g Honig
1 großes Ei
1/4 TL Vanille
1 TL Zimt
200g Weizenmehl

Für den Belag:
1 kg Zwetschgen

Für den Guß:
150g Sahne
1 Ei
1 EL Honig

Zubereitung (Teig und Belag)
Butter, Honig und Ei schaumig rühren und mit Vanille und Zimt würzen. Mehl zur Buttermasse geben und mit den Knethaken zu einem Teig verkneten.
Zugedeckt im Kühlschrank mind. eine halbe Stunde ruhen lassen.
In der Zwischenzeit die Zwetschen waschen, halbieren, entsteinen.
Eine gefettete Springform oder Pieform von ca 26 cm Durchmesser mit Teig auslegen. Dabei einen 1 cm hohen Rand formen.

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Die Zwetschgen mit der Wölbung nach oben darauf verteilen.

Backen 1
Die Form auf die mittlere Leiste in den kalten Backofen schieben und bei 220°C etwa 20 Min vorbacken.

Zubereitung Guss
In der Zwischenzeit die Sahne mit dem Ei verquirlen. Die Form aus dem Backofen nehmen und den Guss gleichmässig über die Zwetschgen giessen.

Backen 2
Die Form jetzt in den Backofen schieben und bei 200°C etwa 30 Minuten backen.

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